
Wissenschaft gegen Faschismus
Bundesweiter Aufruf für wissenschaftliche Auseinandersetzungen an Hochschulen in der Woche vom 01.-07.06. zu der Verantwortung der Wissenschaft angesichts der wachsenden faschistischen Gefahr. Schließ dich uns an!
Eine Initiative von Studis gegen Rechts und einem professoralen Unterstützer:innenkreis
Vision
Gemeinsame Diskussionsveranstaltungen – Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten der faschistischen Gefahr
Studis gegen Rechts und ein Unterstützer:innenkreis an Professor:innen laden dazu ein, bundesweit Diskussionsveranstaltungen an Universitäten und Hochschulen zu organisieren, die sich mit der aktuellen Gefahr des Faschismus und der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft auseinandersetzen. Es ermutigt uns, dass dieser Ansatz auf Interesse stößt und mehrere Wissenschaftler*innen und universitäre Einrichtungen ihre Mitwirkung signalisiert haben. Diesen Austausch möchten wir gemeinsam weiter ausbauen.
Der Aufruf richtet sich ausdrücklich nicht nur an Studierende, sondern auch an Professor:innen, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen, Beschäftigte an Hochschulen sowie Wissenschaftler:innen außerhalb der Uni.
Unter dem Motto „Wissenschaft gegen Faschismus – Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr“ sollen bundesweit Aktivitäten in der Woche vom 1. bis 7. Juni stattfinden.
Die Formen der Beteiligung sind breit: außercurriculare ad-hoc Treffen ermöglichen eine niedrigschwelligen Austausch zwischen Studies, Verwaltungspersonal und Professor*innen zu der Frage; bereits geplante Seminare greifen das Thema auf und öffnen Raum für Diskussionen; zusätzlich stattfindende öffentliche Abendveranstaltungen öffnen Raum für die breitere Zivilgesellschaft; Institute pausieren ihre reguläre Lehre, um gezielt Zeit für vertiefte Debatten zu schaffen. Ziel ist ein gemeinsamer Impuls auf Bundesebene, der unterschiedliche Formate und lokale Schwerpunkte ausdrücklich zulässt. Gemeinsame Pressearbeit soll diesen Impuls weit über die Universitäten hinaus in die öffentliche Debatte tragen.
Verantwortung der Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr
„Lehre und Studium sollen den Studenten […] zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat befähig[en]“ (Hochschulrahmengesetz (HRG), § 7 – Ziel des Studiums)
Warum “Wissenschaft gegen Faschismus”? Als Zusammenschluss aus Professor*innen, Dozierenden, Verwaltungsmitarbeitenden und Studierenden sind wir uns bewusst, dass jegliche Zuspitzung zu scheinbaren Verkürzungen führt.
Angesichts der gegenwärtigen politischen Entwicklungen wird in unterschiedlichen disziplinären Kontexten diskutiert, ob und inwiefern der Faschismusbegriff den aktuellen Ist-Zustand akkurat beschreibt. Auch stellt sich bei seiner Verwendung immer wieder eine strategische und definitorische Frage: wenn wir die zutiefst autoritären Züge der aktuellen Verhältnisse bereits als faschistisch beschreiben, welche Begrifflichkeiten und Bezüge bleiben uns, wenn sich die Situation weiter zuspitzt? Der Begriff der Faschisierung, der die Prozesshaftigkeit eines Systems- und Kulturwandels hervorhebt, stößt in Anbetracht dieser Debatten auf große Resonanz.
“Wissenschaft gegen Faschismus” möchte Räume für diese Debatten schaffen und Lehrende, Mitarbeitende und Studierende dazu einladen, universitäre Institutionen zu öffnen, um mit einer breiteren Zivilgesellschaft über genau diese Fragen zu diskutieren. Ziel ist es, eine Betrachtung der Gegenwart vorzunehmen und die Bedingungen, Reichweiten und Grenzen unterschiedlicher Analyseperspektiven und deren Ableitungen für unser gemeinsames Handeln kritisch zu prüfen und zugänglich zu machen.
Die Aktionswoche steht daher unter dem Leitmotiv: Verantwortung in Zeiten faschistischer Gefahr. Damit rücken wir die spezifische Verantwortung von Wissenschaftler*innen in den Mittelpunkt. Wissenschaft ist nicht nur Beobachterin gesellschaftlicher Prozesse, sondern auch in diese eingebunden. In Situationen, in denen sich autoritäre Tendenzen verdichten, gewinnt ihre Rolle in der Analyse, Kontextualisierung und öffentlichen Einordnung an besonderem Gewicht.
Die Aktionswoche versteht sich entsprechend als Forum für eine reflektierte und kontroverse Diskussion: Welche heuristischen Begriffe sind geeignet, gegenwärtige Entwicklungen zu erfassen? Welche historischen Analogien sind erkenntnisfördernd – und wo drohen sie zu verkürzen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für wissenschaftliche Praxis und gesellschaftliche Verantwortung? Was gilt es zu tun, um Demokratie, für die Wissenschaft, Bildung und faktenbasierter Diskurs eine entscheidende Rolle spielen, vor erstarkenden rechten Kräften zu schützen und weiter auszubauen.
Wir laden insbesondere Kolleg*innen ein, sich an dieser notwendigen Debatte zu beteiligen: um Orte der Bildung für eine so gesellschaftlich relevante Diskussion zu öffnen und gemeinsam Wege zu erörtern, wie autoritäre Verhältnisse überwunden, die faschistische Gefahr überkommen oder der Faschismus bekämpft werden kann.
